Lilli Baitz

Biographisches:

Elisabeth Margaretha (Lilli) wird am 23.September 1874 in Bad Aussee, als drittjüngste Tochter von Dr. Josef Schreiber und Schriftstellerin Clara Herman, geboren. Ihre Eltern, beide weit über Aussee hinaus bekannt sind äußerst wohlhabende Juden, Lillis Vater ließ in Aussee das erste Sanatorium erbauen. Ab dem Jahre 1887 lebte die Familie das halbe Jahr in der italienischen Stadt Meran, wo Josef Schreiber ein weiteres Sanatorium errichtete, da das Erste bei den Gästen im Ausseerland gut angekommen ist, dadurch entstand der Kurort „Bad Aussee“. Am Ende des 19.Jahrhunderts kam es durch den Tod von der Mutter, zu hohen Schulden und grenzenlosen finanziellen Schwierigkeiten. Deswegen übertrug der Vater seine Sanatorien Lilli und der älteren Schwester Adele, mit der Lilli ein ganzes Leben lang tief verbunden war. Aber schon bald, im Jahre 1910 ging das Unternehmen komplett in Konkurs und musste zwangsversteigert werden.
Lilli Baitz war eine äußerst standhafte Frau. Sie strebte ihr ganzes Leben lang nach Unabhängigkeit und Bildung und wurde schon bald als Frauen.-und Sozialpolitikerin bekannt. Durch die Bekanntheit ihres Vaters wurde sie sogar in dem Pariser Internat aufgenommen, von dem aus sie mehrere Reisen nach Italien und England antrat – daher auch ihre, für die damalige Zeit, besonders guten Sprachkenntnisse. Danach studierte sie an der Wiener Kunstgewerbeschule und absolvierte die Münchner Akademie. Auch pflegte die engagierte Frau sehr gute Kontakte in den USA, trotzdem wurde es ihr nie gestattet einzureisen.
1909 zieht sie mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Roman Baitz in die Schweiz, zu ihrer Schwester Adele. Dort gründet das Ehepaar das Unternehmen „das Wiener Kunstgewerbe L&R, dieses war international und deren Hauptauftraggeber war die „Reichszentrale“. 1923 aber kauften sie sich ein Haus in Salzburg und benutzten es als Wohnhaus als auch als Werkstatt, dort wurden die „Baitz Trachtenpuppen“ angefertigt. Diese Puppen entstanden durch Sammeln verschiedener Trachtenmoden von Aussee bis ins Ennstal hinaus. Die Skizzen der Puppen wurden haarscharf aufgezeichnet und auch genau so in die Wirklichkeit umgesetzt. 1931 verkaufte das Ehepaar Baitz ihr Haus in Salzburg. Nach dem Krieg zog das Atelier um, nach Vorarlberg (Lustenau) an die Schweizer Grenze. Danach 1954 ein neuer Sitz in Bregenz, wo sich ein Teil der Firma auch heute noch befindet.
Am 14. August 1942 verstarb die Künstlerin in Bad Aussee an einer Überdosis von Schlaftabletten. Es wird vermutet, dass sie wegen der bevorstehenden Deportation Selbstmord beging. Nach ihrem Tod wanderte ihr ganzer Besitz in die Hände der GESTAPO, die daraufhin jegliches „schädliches“ Schriftgut beschlagnahmen.

Verfasserin: Evi Schartel

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